Vereinsgeschichte
75 Jahre Fußball in Hahnstätten Festrede vom 23.06.2007
geschrieben und am Festabend vorgetragen
von Reiner Keitsch
Liebe Sportkameraden
75 Jahre Fußball in Hahnstätten.
Kann man das in 5 Minuten vorstellen? Ich denke schon, und zwar so:
1932 gegründet, im Krieg kein Spielbetrieb, nach dem Krieg neuer Anfang, Klasse Jugendarbeit, Aufstieg in die Rheinlandliga, heute Abstieg in die
C- Klasse. Das war’s. War es das wirklich?
Ich denke nicht!
All denen, die mich noch nicht kennen, möchte ich mich kurz vorstellen.
Mein Name ist Reiner Keitsch, ich bin seit 47 Jahren in der Turn- und Sportgemeinde Hahnstätten Mitglied und habe geturnt, Fußball gespielt, gehe wandern und bin noch aktiv in der Hahnstätter Fassenacht tätig.
Als Fußballer stand ich in der Jugend im Tor und habe auch zeitweise als Linksaußen ausgeholfen. Als linker Verteidiger, so hieß diese Position früher, hatte ich direkt nach der A- Jugend das Glück, 15 Jahre lang in der ersten Mannschaft von Hahnstätten zu spielen.
Torhüter – Linksaußen. Bekannte Fußballgrößen unseres Landes behaupten bis auf den heutigen Tag, dass Torhüter und Linksaußen einen an der Klatsche hätten. Ich hoffe jedoch, dass Sie trotzdem sitzen bleiben und meinem kleinen Rückblick Gehör schenken.
Hahnstätten vor 75 Jahren. Unser Dorf hatte 1200 Einwohner und seit 1921 Ludwig Reichel als ersten hauptamtlichen Bürgermeister. Neben all den Sorgen und Nöten, die es aus dieser Zeit zu berichten gibt, z.B. hohe Arbeitslosigkeit und politische Veränderungen, gab es hier im Dorf schon ein reges Vereinsleben. MGV, Fidelio, Musikverein Zollhaus, die Freiwillige Feuerwehr, das Rote Kreuz und der Turnverein waren fest in der Dorfgemeinschaft verankert. Ihr Wirken sorgte für ein geselliges und abwechslungsreiches Miteinander. Und trotzdem: Nicht für jeden stand damals die Tür in einem Verein offen. Standesdünkel, Herkunft oder die finanzielle Situation des Einzelnen waren leider des öfteren Kriterien gegen eine Aufnahme in einen Verein.
Die Kunde von der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes, dessen Vorsitzenden, Herrn Dr. Theo Zwanziger darf ich auf diesem Wege ebenfalls herzlich begrüßen, im Jahre 1900 erreichte auch, natürlich nicht so schnell wie heute, unsere Heimat. Eigentlich waren die Hahnstätter in der Vergangenheit einer neuen Sache gegenüber immer sehr aufgeschlossen. Dieser neuen Sportart wollten sie jedoch nicht so einfach zustimmen. In dieser Zeit war Turnen angesagt.
Bereits aus dem Jahr 1919 wird uns überliefert, dass hier in Hahnstätten Fußball gespielt wurde. Es existierte zwar zu dieser Zeit noch kein richtiger Fußballverein, geschweige denn ein Sportplatz. Man könnte es einen losen Zusammenschluß von Gleichgesinnten bezeichnen. Die Fußballer der ersten Stunde hatten es wahrlich nicht leicht. Sie betraten Neuland und wurden als Menschen „zweiter Klasse“ angesehen. Man scheute sich nicht, diese Art von Sport regelrecht abzulehnen: 11 Mann rennen einem Ball nach! Was soll das? Und wie die sich um den Ball zanken, warum gibt man nicht jedem einen Ball?
Doch dies alles konnte den Weg des neuen Mannschaftsspiels nicht aufhalten. Man traf sich, bildete zwei Mannschaften und los ging’s, oft auf einer Wiese im Feld, daher der Name Spielfeld! Man organisierte die ersten Spiele gegen Sportsfreunde aus den Nachbargemeinden Bereits vor der Vereinsgründung gab es …“vierzehn Gesellschaftsspiele, die nachweislich ausgetragen wurden“. Davon wurden sieben gewonnen und drei endeten unentschieden. Von den verlorenen Spielen wurden keine Ausschreitungen berichtet und so kann man sagen: Auch verlieren kann ein Erfolg sein!
Es bedurfte viel Mut und Idealismus, trotz der widrigen Umstände und ablehnenden Stimmung im Dorf einen Fußballverein zu gründen.
Und dennoch: Männer wie Ehrenfried Egert und Albert Kratz ließen nicht locker. Die „Faszination Fußball“ hatte auch in Hahnstätten Einzug gehalten!
Drüben, in der Gastwirtschaft Becker, der Vereinsschmiede Hahnstättens, war es endlich soweit: Der „Sportverein Rot – Weiß Hahnstätten 1932 e.V.“ wurde am 1. Juni 1932 gegründet!
Gleich zwei Seniorenmannschaften wollten den Spielbetrieb aufnehmen. Die ersten offiziellen Spielführer waren für die 1. Mannschaft Karl Schmittel und für die 2. Mannschaft Karl Diefenbach.
Die vielfältigsten Arbeiten standen an, wobei sich der frisch gewählte Vorsitzende Wilhelm Zimmermann der Hilfe des gesamten neu gegründeten Vereins sicher sein konnte. Im einträchtigen Miteinander wurde ein Spielplatz auf dem Heideberg eingerichtet oder besser gesagt: grob eingeebnet. Auf diesem abschüssigen und mit Büschen bewachsenen Ödland hat man zwei feststehende Tore aufgebaut, die damals auch noch nicht jeder Verein aufzuweisen hatte. Hinter dem unteren Tor stand eine wunderschön gewachsene Eiche, die durch die verschiedenen Baumaßnahmen in späteren Jahren im über 1.80 m aufgeschütteten Erdreich bis auf den heutigen Tag ihr Dasein fristet.
Das erste Gesellschaftsspiel nach der Vereinsgründung fand in Kaltenholzhausen statt. Obwohl es bereits seit 1896 in den „Jenaer Regeln“ festgelegt war, dass „in Deutschland die Fußball - Spielfelder frei von Bäumen und Sträuchern sein müssen“, wartete die Spielanlage in Kaltenholzhausen mit einer Besonderheit auf: Mitten auf dem Spielfeld stand ein Baum! Na toll, würde man heute sagen, und was machen wir jetzt? Damals kein Problem. Man spielte drum herum, und wenn es mal gar zu heiß war, versammelte man sich eben unterm Baum.
Das erste Meisterschaftsspiel für den Hahnstätter Fußball wurde am 21. August 1932 ausgetragen und man belegte am Ende der ersten Saison den 4. Tabellenplatz. Kameradschaft und Zusammenhalt wurden groß geschrieben. Großen Wert legte man auf die freiwillige Hilfe verletzter Kameraden. Der uns allen wohlbekannte, heute leicht belächelte Satz: „Elf Kameraden müsst ihr sein, um Siege zu erringen“ hatte damals für alle Fußballer einen hohen Stellenwert.
Die nächsten Jahre brachten wechselnde Erfolge und Veränderungen. Willi Fuhr übernahm bereits1935 als 17-jähriger erstmals eine Jugendabteilung. Verschiedene Abteilungen, wie Schwimmen, Leichtathletik und Schießen bereicherten den Fußballverein. Man war in kürzester Zeit auf dem besten Weg, sich sportlich und gesellschaftlich zu etablieren.
Dann kam der unselige Krieg mit all seinen bekannten Schrecken, Not und Elend. Der Spielbetrieb wurde eingestellt, von den 82 Mitgliedern kamen 67 Männer an die Front.
Nach Kriegsende hieß es erst einmal, sich selbst und seiner Familie zu helfen. Einige Sportkameraden waren nicht mehr heimgekehrt, viele befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft und so manchen neuen Kameraden hatte es hier in unser Dorf verschlagen. Es war eine schwere Zeit für alle, landauf, landab. Und wieder war es die unwiderstehliche Kraft des Fußball’s, die die Menschen ein klein wenig ablenkte und auf andere Gedanken brachte. Der Heideberg war wieder Anlaufstelle für Fußballspiel, die Gemeinschaft, ja, einfach für das Zusammensein. Die Sportkameraden Karl Diefenbach und Karl Schmittel waren maßgeblich an einem schnellen, organisierten Wiederanfang beteiligt. So kam es, dass sich bereits am 8.September 1945, mit Genehmigung der französischen Militärregierung, die Mitglieder des „Sportvereins Rot-Weiß 1932 e.V.“ versammelten, um einen Neubeginn anzustreben und Wahlen abzuhalten.
Es war ungeheuer schwierig geworden, die alten, guten Verbindungen mit früheren Sportkameraden wieder aufzunehmen und dem so lange entbehrten Fußballspiel nachzugehen. Verschiedene Besatzungszonen und Willkür der französischen Besatzungsmacht waren fast unüberwindbare Hürden auf dem Weg zu einem normalen Sportbetrieb. Mit allen Mitteln, ja heute würde man sagen, fast mit krimineller Energie wurden immer wieder Wege gefunden, den geliebten Sport doch betreiben zu können. Ist das heute eigentlich für unsere Jugend vorstellbar, was man damals für ein Fußballspiel riskiert hat?
Ein neuer Anfang war getan, mit Wilhelm Kleemann an der Vereinsspitze und jeder Menge Auflagen durften wieder Spiele ausgetragen werden. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Pulverwagen von Otto Reichel ging es zu Auswärtsspielen. Sprit mußte organisiert werden und Fahrtausweise vom Kreisstraßenverkehrsamt mit der Angabe von Ladung, Abfahrtszeit usw. wurde ebenfalls benötigt.
Während die Fußballer wieder Licht am Ende des Tunnels sahen, verhinderte die französische Besatzungsmacht das Turnen und verbot außerdem einen zweiten Sportverein in Gemeinden unter 5.000 Einwohner. Am 3. August 1946 erfolgte deshalb im Gasthaus Becker der Zusammenschluß von Fußball- und Turnverein, 1. Vorsitzender wurde Wilhelm Meuser. Der neue Verein, aus der Not geboren, setzte ungeahnte Kräfte frei. Der Wille zur Gemeinschaft war in dieser Zeit groß, der Sport schweißte die Menschen zusammen. Die Mitglieder, ja das ganze Dorf legte in den Jahren 1947/48 fleißig Hand mit an, um droben auf dem Heideberg eine gemeinsame Sportstätte zu bauen. Die Kalkwerke Schaefer stellten Baumaschinen und eine Feldbahn auf Schienen zur Verfügung. Und siehe da: Eine der schönsten Sportanlagen weit und breit mit einer Naturtribühne ohnegleichen war durch die fleißige Zusammenarbeit der Dorfbewohner entstanden.
Der Fußball rollte wieder, die ersten Spiele nach dem Krieg waren mehr ein „sich wieder finden“, man war dankbar, sich sportlich betätigen zu dürfen. Nach den Spielen, in der dritten Halbzeit, kam so manches schwarz gebrannte oder die gute alte Büchsenwurst auf den Tisch. Dazu erklangen die alten Lieder wie „Rot und weiß, wie lieb ich dich“ oder „Auf grünem Rasen spielen wir, für uns’re Fußball – Sportsmanier“.
So nach und nach kamen auch die Kriegsgefangenen nach Hause. Einer von ihnen war Willi Fuhr. Lieber Manfred, ich sehe schon, dass einige Herren hier ins schwitzen kommen. Keine Angst, die Sache mit der Zimmerrenovierung werde ich nicht erzählen.
Gestattet mir trotzdem, dass ich unserem Willi Fuhr, der sein Leben lang das „Phänomen Fußball“ gespielt und gelehrt hat, ein paar Zeilen mehr widme, ohne die Verdienste und Leistungen der vielen anderen Sportkameraden zu schmälern.
In der Sportplatzzeitung „Heimspiel“ aus der Saison 1998/99 hat Horst-Dieter Preußer eine kleine, aber feine Biographie zum 80. Geburtstag von ihm erstellt.
Im zweiten Weltkrieg war Willi Fuhr als Soldat im Afrika-Korps, wurde verwundet und kam in Kriegsgefangenschaft nach Amerika. Dort spielte er in verschiedenen Lager-Auswahlmannschaften Fußball. Man wurde auf ihn aufmerksam und wollte ihn zu den verschiedensten Vereinen locken. Ihn zog es jedoch nach dem Krieg zurück nach Hahnstätten, in Hoppecks Schusterwerkstatt. Bereits 1946 spielte er wieder in der ersten Mannschaft. Das Spiel gegen die Mannschaft der TUS Neuendorf droben auf dem Heideberg wird wohl in ewiger Erinnerung bleiben. Neuendorf trat mit allen Stars und sogar Nationalspielern an. Spieler wie Adam, Milz, Unkelbach oder Rudi Gutendorf waren damals schon bekannte Größen. Ein Spiel voller Klasse und Dramatik, in dem Willi Fuhr 4 Tore zum 4:4 Halbzeitstand schoß. Er hat sogar vor einem Torschuß Nationaltorhüter Adam gefragt:„Adam, wu willste da däs Ai hiehoo?“ Für alle die, die unserer Mundart nicht mächtig sind, hier die Übersetzung:
„ Herr Adam, wo möchten sie denn den Ball reinbekommen?“
Die fünfziger Jahre brachten den zwei Senioren - und Jugendmannschaften, trainiert von Erich Wahnel und Willi Fuhr, wechselnde Erfolge. So gelang unseren Fußballern sogar der Aufstieg in die Bezirksklasse, in der sie eine Saison spielten. Im Jahre 1954 brachten sie es sogar fertig, die Runde ohne ein verlorenes Spiel zu beenden.
Willi Fuhr erwarb übrigens als erster in Rheinland-Pfalz an der Sportschule Koblenz die Lizenz als Trainer und Kreisübungsleiter. Er nahm an fast allen Lehrgängen teil und brachte acht Spieler zum Erwerb der Trainerlizenz. Seine Trainingsmethoden und sein überragendes Fußballwissen sorgten dann auch für die wohl erfolgreichste Zeit in der Hahnstätter Fußballgeschichte. In den sechsziger/siebziger Jahren tummelten sich bis zu 8 Jugendmannschaften auf dem Heideberg. Eine ganze Reihe wissbegieriger und fleißiger Helfer, unter anderem Erich Wahnel, Gerd Weiand, Walter Zimmermann oder Ralf-Dieter Scheid, um nur einige zu nennen, standen an seiner Seite.
Ich hatte das Glück, ab der B-Jugend unter Willi Fuhr trainieren zu dürfen. Er lernte uns nicht nur das Einmaleins des Fußballs, sondern legte großen Wert auf Anstand, Respekt und Fairneß.
Seine Arbeit mit uns am Pendel verbesserte Kopfball- und Schusstechnik, das genaue Spiel mit Spann und Innenseite waren sein Steckenpferd.
Jede Übung, jeder Torschuß, jeder Spielzug und jedes Trainingsspiel wurde von ihm exakt und ausdauernd behandelt. Fragen sie einmal Manfred oder Karl-Heinz, wie oft er beim Trainingsspiel abgepfiffen und uns auf Fehler hingewiesen hat. Spiel „eins gegen eins“, „drei gegen eins“, bei Spielzügen machte er alle Drehungen, Bewegungen und Laufwege vor. „Komm her – lauf weg“, „spiel quer – lauf steil“ oder sein berühmt- berüchtigter Satz: „Der freilaufende Spieler bestimmt den Lauf der Kombination“ ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Natürlich konnte er auch ganz schön bockig werden. Mit Willi Fuhr ein Spiel zu verlieren, war eine Katastrophe. Bad Ems führt 1:0. Wir spielten schlecht. Ein Ball rollt ins Aus, direkt neben Willi Fuhr. Er lässt ihn ganz nah an sich vorbei laufen. Manfred ruft: „ Herr Fuhr, halten sie ihn fest“. Da bekam er zur Antwort: „Wer so schlecht spielt, der soll sich seine Bälle selbst holen“. „Wir gewinnen noch“, rief Manfred, und wir haben noch gewonnen. Auf der Heimfahrt durch das Lahntal, kurz vor der Abfahrt nach Weinähr, fragte er uns: “Un, woas is, foahr’n mä hamm?“ Dabei hatte er schon längst den Blinker zum Abbiegen nach Weihnähr zum Feiern draußen.
In dieser Zeit konnte die TUS Hahnstätten mit den einzelnen Jugendmannschaften eine Vielzahl von Meisterschaften oder sehr guten Platzierungen erringen. Ich denke noch oftmals an die Gegebenheiten zurück, die wir damals auf dem Heideberg vorfanden. Das Holzbudchen, 1958 erbaut, war unsere Umkleide-Kabine. Georg Müller, besser bekannt unter Zisse Schorsch, war der Chef des Hauses und mit seiner riesigen Jodflasche immer zur Stelle, wenn wir uns wieder einmal „den Putz aufgerissen“ hatten. Der Bau des Heideberghauses 1966/67 war, vor allem für uns Spieler, ein weiterer Baustein in der Geschichte des Hahnstätter Fußballs.
Nachdem wir mit der A-Jugend 1968 Kreismeister wurden, spielten wir gleich im folgenden Jahr mit mehreren Spielern in der ersten Mannschaft und setzten unter Trainer Gerd Weiand unser erfolgreiches Spiel fort. Der zweite Platz in der ersten Kreisklasse und der darauf folgende Aufstieg in die A-Klasse, diesmal mit Trainer Hensel, war der Anfang einer überaus erfolgreichen Fußballzeit in Hahnstätten. Unsere zweite Mannschaft zog in der Erfolgsspur mit und zeitweise vertrat sogar eine dritte Mannschaft die Hahnstätter Farben. Lokalderbys gegen Burgschwalbach z.B. waren nicht nur bei uns Spielern emotionale Ereignisse, sondern lockten auch regelmäßig zwischen 700 und tausend Besucher auf die Sportanlagen. Der Heideberg wurde zur Festung, unsere Spielpartner hatten Respekt und unser Lied „Es zogen elf Spieler wohl über den Rhein“ wurde Wirklichkeit. In einer homogenen und kämpferisch starken Mannschaft sorgten immer wieder herausragende Spieler wie Herbert Dönges, Karl-Heinz Gaulke, Manfred Rehbein, Wolfgang Urban, Ronny Kann und natürlich, nicht zu vergessen Hans Petak für die Höhepunkte. Innerhalb von drei Jahren gelang es uns, mit Trainer Peter Kramb von der A-Klasse ins Oberhaus des FV Rheinland, in die Rheinlandliga aufzusteigen.
Gab es ein Geheimnis für diese sportlichen Leistungen? Ich denke, unsere Kameradschaft, das absolut gute Verhältnis zwischen den jungen und älteren Spielern sowie die Hilfe und der Beistand unserer Frauen waren die eine Seite. Dazu die hervorragende Ausbildung in den Jugendmannschaften so wie die Auswahl unserer Trainer. Vergessen möchte ich nicht die große Anzahl von Sportkameraden, die als Vorsitzende, wie Wilhelm Schmidt, Artur Neidhöfer, Willi Hermann, später dann Herbert Kitzler, Horst Ehlers oder heute Manfred Rehbein, sowie Abteilungsleiter oder Betreuer die Zügel fest in der Hand hatten. Aber auch beim Feiern waren wir gut dabei. Wenn Alfred sein “Von den Bergen rauscht ein Wasser“ anstimmte, „Die blauen Dragoner, sie reiten“ auf den Stühlen, natürlich verkehrt herum sitzend, durch den Raum rockten, wenn Hermann mit seinem Lenchen den Rheinländer tanzte, dann wussten wir: So schön kann Gemeinschaft sein!
Dies alles waren Vorraussetzungen, die für unsere jahrelangen Erfolge ausschlaggebend waren. Und wenn es mal gar nicht gut lief, sperrten uns unsere Funktionäre und Betreuer (u. a. K.- H. Bremser, Kurt Scheid, Willi Hermann, Walter Zimmermann, um nur einige aus dieser Zeit zu nennen) einfach in eine Hütte ein, gaben uns Fleisch, Brot und Bier, - und das Freitags abends vor einem Spiel, - und wir kamen dann erst wieder raus, wenn wir alle Ungereimtheiten in der Mannschaft bereinigt hatten. Es hat jedes Mal geholfen. Wir alle haben für den Fußball hart gearbeitet, uns brauchte keiner zum Fußballspiel zu bitten, wir kamen noch freiwillig! Und dann möchte ich noch ein Geheimnis verraten: Wir haben so hart trainiert und waren so erfolgreich, weil wir ein klares Ziel vor Augen hatten: Wir wollten einfach nicht gegen Burgschwalbach verlieren!!
Verschiedene Ereignisse, wie die Neueinteilung der Klassen, finanzielle Angelegenheiten und eine allgemeine Veränderung unserer Gesellschaft gingen auch an unserem Verein nicht spurlos vorüber. In den letzten Jahren war der Fußball in Hahnstätten Dank der immer noch sehr guten Jugendarbeit und den Trainern auf einem guten Weg. Der diesjährige Abstieg unserer beiden Seniorenmannschaften in die C- und D- Klasse trübt zwar etwas das Bild, ist aber kein Abschied des Hahnstätter Fußballs. Waren dies heute sportliche Gründe, verhalfen vor 22 Jahren unfaire Schubladengeschäfte zweier Nachbarvereine unserer ersten Mannschaft zum Abstieg in die B- Klasse. Sie stiegen wieder in die A- Klasse auf und genau das wünsche ich mir auch für die Zukunft unserer Mannschaft.
In den Jugendmannschaften ist wie immer eigentlich Leben in der Bude und Manfred Weyl hat mit seinem jungen Team gezeigt, dass mit kontinuierlicher Jugendarbeit viel zu erreichen ist! Seine C 1- Jugend der JSG Hahnstätten hat in den letzten 7 Jahren 14 Titel geholt, war vor 2 Jahren mit der Mannschaft Vize – Rheinlandmeister und in diesem Jahr Bezirksmeister der Staffel Ost und Kreispokalmeister im Rhein-Lahn-Kreis. Herzlichen Glückwunsch an Spieler, Trainer und Betreuer! Man kann nur hoffen, dass Trainer und Spieler dem Hahnstätter Fußball erhalten bleiben. Allen Jugendtrainern und Betreuern, stellvertretend für alle möchte ich Wolfgang Hammerschmidt und Karl Schermuly nennen, sei für ihr unermüdliches Wirken gedankt. Sie helfen mit, unseren Jugendlichen eine sportliche Heimat zu geben.
Wenn wir heute auf 75 Jahre Fußball in Hahnstätten zurückblicken, können wir sagen: Es war eine wechselvolle, erfolgreiche Zeit. 75 Jahre Fußball heißt nämlich auch: Ein dreiviertel- Jahrhundert unermüdliches Wirken zur Erhaltung der Volksgesundheit, übermitteln von Werten, den Sportlern eine zweite Heimat geben.
75 Jahre Fußball heißt nicht nur Rückschau halten, sondern bietet mir als ehemaligem Spieler die Möglichkeit, einmal Danke zu sagen.
Danke an die Ortsgemeinde, dass sie uns dieses wunderschöne Sportgelände auf dem Heideberg ermöglichte, ich würde mir nur wünschen, unsere Spieler könnten dort oben einmal auf Rasen spielen!
Danke an alle diejenigen, die für uns die Arbeit um uns herum so vorbildlich erledigten, sei es im Verein oder in den Verbänden.
Danke an alle die, die uns im Laufe der Jahre als Sponsoren unterstützten.
Danke den Spielpartnern, die gegen uns im fairen Wettkampf antraten.
Danke den wichtigsten Männern im Fußball, unseren Schiedsrichtern.
Aber auch Danke an unsere Familien, die uns unterstützten und die sportlichen Leistungen durch so manchen Verzicht erst ermöglichten.
75 Jahre Fußball in Hahnstätten verpflichtet aber auch uns alle, für die Zukunft jungen Menschen eine Möglichkeit zu bieten, sich sportlich zu betätigen und auch damit ihren Weg in unserer Gesellschaft zu finden. Kinder und Jugendliche, die in einem Verein aktiv sind, haben keine Zeit, auf der Straße herum zu lungern.
In diesem Sinne möchte ich schließen und sage: Vielen Dank, dass sie mir zugehört haben.
Reiner Keitsch
